Agile methoden

Agile Methoden – Wofür soll das gut sein?

Aug 4, 2018 | Business Blog

Sie haben doch garantiert schon etwas von Agilem Arbeiten gehört oder? Von Scrum vielleicht? Sie können es nicht mehr hören? Irgendwie verständlich. Zur sehr wird es einem als Allheilmittel in der Arbeitswelt verkauft. Man bekommt den Eindruck, „einfach Scrum eingeführt und schon läuft alles wie geschmiert“.

Nein, so läuft es natürlich nicht. Schon gar nicht, wenn man die Voraussetzungen in einem Unternehmen nicht betrachtet. In dieser kleinen Serie möchte ich weg vom Hype und ein wenig Transparenz in das Thema bringen. Denn Agiles Arbeiten ist nicht einfach Schwarz oder Weiß, Fluch oder Segen. Wie bei jeder anderen Methode gibt es Stärken und Schwächen, ist es für manche Situationen geeignet und andere nicht. Am Ende dieser kleinen Serie sollen Sie für sich bewerten können, ob einige Methoden in Ihrem Unternehmen passen oder nicht.

 

Zunächst einmal: Was ist Agiles Arbeiten alles nicht?

  • Ein Wundermittel gegen schlechte Projekte
  • Der einzige Weg für gute Projekte
  • Weniger Arbeit für Alle
  • Chaos und Führungslosigkeit
  • Nur was für Softwareunternehmen
  • Scrum über eine bestehende Struktur bügeln
  • Von heute auf morgen einzuführen
  • Völliger Quatsch

Ich beginne am besten mit den Gründen, warum „agil“ sich in der Softwarebranche durchgesetzt hat. Traditionelles Projektmanagement à la Wasserfall gelangte irgendwann an seine Grenzen. Die Projekte wurden immer größer, komplexer und langwieriger. Am Ende eines solchen Projektes erhielten Kunden manchmal Produkte, die sie so gar nicht brauchten. Sie hatten sich die Funktionen ganz anders vorgestellt, die Nutzerfreundlichkeit ist in der Praxis gar nicht mal so gut, die Farben der Menüs hatten sie ganz anders erwartet und überhaupt waren sie einfach total unzufrieden mit dem Ergebnis. Was dann folgte, war meistens die Frage nach der Schuld: Hatte der Kunde seine Anforderungen falsch erklärt oder hatten die Entwickler das nicht richtig umgesetzt? Oft wurden dann Änderungen verlangt, die aber durch die Komplexität der Software und des Programmcodes nicht eben einfach so eingefügt werden konnten. Das war doof. Und unglaublich teuer. Sowohl für die Kunden als auch für die Softwareentwickler.

Was war denn das Grundproblem? Klassische Projektmethoden spielen ihre Stärken aus, wenn das Endergebnis, die Anforderungen und am besten auch Rahmenbedingungen bereits zu Beginn feststehen. Dann greift hier alles sehr gut ineinander, Meilensteine können geplant und abgearbeitet werden. Das war und ist in der Softwareentwicklung oft ein großes Problem. Die Kunden können zwar so genau wie möglich beschreiben, was sie wollen. Sie sind doch aber keine Softwareentwickler. Sie wissen gar nicht, was einfach oder schwierig umzusetzen ist oder was eigentlich alles möglich ist. Und die Entwickler kennen die genauen Anforderungen nur aus der Sicht des Kunden, sind aber natürlich keine Experten in den einzelnen Branchen.

 

Wenn man sie richtig nutzt, spielen Agile Methoden genau hier ihre Stärken aus:

  • Langwierige komplexe Projekte in kleine überschaubare Einheiten mit konkretem Ergebnis überführen
  • Weniger Vorlaufzeit und Investitionen für die Planung
  • Das Kundenfeedback wird bereits in einer frühen Entwicklungsphase eingeholt
  • Neue Kundenwünsche oder Änderungen am Produkt sind kein Problem, sondern hilfreich
  • Änderungen der Rahmenbedingungen können schnell eingebunden werden
  • Fehlkonstruktionen oder Fehlplanung können schneller entdeckt und mit weniger Aufwand behoben werden
  • Die Transparenz der Arbeit im Team wird erhöht
  • Die Kommunikation der Teammitglieder wird verbessert
  • Die Arbeit in den Projekten wird reflektiert und stetig verbessert

Wenn man sich das alles einmal so anschaut… Betreffen diese Probleme denn wirklich nur die Softwarebranche? Oder haben andere Unternehmen nicht ebenfalls mit ähnlichen Problemen zu kämpfen? Ich behaupte, dass heute kaum jemand unternehmerisch für die nächsten 20 Jahre planen kann. Also kann man schon, macht aber oft wenig Sinn. Hätten Sie im Jahr 2000 gedacht, dass man mit leistungsfähigen Computern in Hosentaschenformat herumlaufen, damit Fotos machen, mehr tippen als telefonieren und in der Stadt an einem Hotspot mal eben Musik streamen würde? Und dass dieses „…phone“ mit seinen „Apps“ ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung werden könnte?

Genau das meine ich. Die Technologie, Rahmenbedingungen und Kundenbedürfnisse ändern sich heute rasend schnell. Haben wir vor einiger Zeit noch von der Wertarbeit aus Deutschland mit der langen Lebensdauer geschwärmt, macht genau das heute manchmal keinen Sinn. Weil die Produkte zwar jahrzehntelang halten, aber technisch schon längst veraltet sind. Wegwerfen, neu machen. Nicht schön, aber leider wahr.

 

Ihre Sandra Boldt